Echte Roadtrips und Abenteuer kann man nur noch im Ausland erleben?

Während oder kurz nach unserem Abenteuer in Indien kam die Frage auf, ob man für ein „Echtes Abenteuer (tm)“ ins Ausland, bevorzugt Asien oder Afrika, fahren müsse oder ob man dies noch vor Ort erleben könne?

Deutschland ist gut erschlossen bis in seine hintersten Winkel. Autobahnen und Straßen allüberall und auch der ÖPNV ist mit Zug und Bus und seit neuestem auch Fernbus gut ausgebaut. Die Abenteuer würden sicherlich anders aussehen müssen als in Indien. Ersatzteile wie z.B. Schrauben besorgen ist nur da spannend, wo es nicht überall Baumärkte etc gibt.

Jeder der will kann Deutschland an einem Tag durchqueren.
Was aber, wenn man sich selbst Beschränkungen auferlegt? Und das langsamste öffentlich verfügbare Mittel wählt? Den Bus?

Schlafabteil ohne Steckdose, aber mit viel Komfort.

Schlafabteil ohne Steckdose, aber mit viel Komfort.

In Zeiten von Bahnstreiks und ausfallenden Zügen ist es vielleicht ratsam zu wissen, wie man alternativ mobil unterwegs sein kann.

Ich brachte eine Idee ins Spiel, die mir schon länger durch den Kopf spukte: „Wir veranstalten ein Rennen mit dem Bus durch Deutschland! Kein Zug, kein Fernbus, nur Stadtbusse.“

Viele Personen, denen ich von der Geschichte vor, während und nach Indien davon erzählte. Einige waren regelrecht begeistert. Theoretisch zumindest. Mitfahren wollte erst mal niemand. Oft mangelte es an Zeit oder Geld. Immerhin müssten berufstätige Menschen ihren Urlaub opfern um im Bus zu sitzen.

Aber, im Gegensatz zu Autorallyes und Tuktukrennen hätte man sogar etwas von der Landschaft. Dank der Rallye-mit-Chaffeur hätte man viel Zeit aus dem Fenster zu schauen, die Landschaft zu genießen, zu träumen oder Briefe und Postkarten zu schreiben.

Erste Versuche:
Angedacht für das Rennen wäre die Strecke München-Hamburg.
Versuchsweise plante ich im Frühjahr von München nach Heidelberg zu kommen.

Erster Anruf bei den Verkehrsbetrieben in München: „Grüß Gott, wie komm ich mit dem Stadtbus von München nach Augsburg?“ „Gar nicht? Nehmen Sie den Zug?“ „Wenn ich jetzt aber partout mit dem Bus fahren will? Leider gibt mir Ihre Website keine Auskunft.“ „Ich auch nicht. Das geht nicht. Punkt.“

So ungefähr lief das Gespräch ab und da war mein Ehrgeiz gepackt.
Ich lud mir das Streckennetz des Münchner Verkehrsverbundes herunter und auch so ungefähr alle verfügbaren Streckennetze von München bis Heidelberg. Und tatsächlich gab es eine Haltestelle, die sowohl aus Richtung München als auch aus Richtung Augsburg angefahren wurde: Odelzhausen.

Einziger Knackpunkt: Ich würde in Odelzhausen übernachten müssen. Morgens um kurz nach Sieben fährt ein einziger Bus Richtung Augsburg. Aber es würde gehen. Für 60km hätte ich anderthalb Tage gebraucht und die Übernachtung würde abenteuerlich, aber es würde gehen.

Und so plante ich weiter. Eine wiederkehrende Erfahrung war, dass die Servicehotline eigentlich überall überfordert war und ich anhand von Streckenkarten meine Route selbst planen musste. Gut, dass die meisten Serviceverbünde diese Auskünfte online bereitstellten.

Meine Lieblingshaltestelle wäre Tripsdrill geworden. An diesem Freizeitpark trefen sich drei Verkehrsverbünde und man hätte Zeit den Park zu durcheilen und ausnahmsweise auch mal eine Bahn zu verwenden. Die Achterbahn.

Resümee der Recherche: In 5 Tagen würde ich recht gemütlich nach Heidelberg kommen. Wenn man also zehn Tage veranschlagen würde, könnte man es auch bis Hamburg schaffen. Sportlich, aber machbar.

Falls daraus ein offizielles Rennen würde, müsste man natürlich eine zumindest kleine Siegesfeier organisieren als Abschluss für alle Teilnehmer. Also Location finden, Sponsoren, etc.

Für dieses Jahr war es dafür wohl zu spät.
Was blieb war der Wunsch es einfach mal zu probieren. Die Rallye Allgäu-Orient, die ich eventuell 2017 wieder mitfahren wollte, hatte mal wieder Probleme mit der politischen Lage in Türkei und drumrum und würde in Istanbul enden, fast auf halber Strecke.
Die politische Lage würde sich auch 2017 nicht entspannen und die größte Frage wäre, kann das Rennen wie geplant stattfinden?
Das und die Bitten vieler Freunde es sein zu lassen führten zu einer Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung als ich für mich die Rallye 17 cancelte.
Dabei war ich noch nicht einmal angemeldet. Zufällig schaute ich in meinen Kalender und entdeckte zwei Wochen ohne einen Termin. „Jetzt oder Nie!“ schoss es mir durch den Kopf und ich teilte Freunden und Bekannten mit, dass ich in ein paar Wochen durch Deutschland eilen würde.

Große Erleichterung allerseiten als ich dies als Alternative zur Rallye hinstellte.Die bewährte Masche bei mir: So vielen Leuten von einem Projekt erzählen, dass ich keinen Rückzieher mehr machen kann.

Und so bestieg ich in Frankfurt den Nachtzug nach Hamburg, nur um wieder heimzufahren. Aber was für ein Zug: Ein Intercity, der bis morgens um sieben brauchen würde. Ich könnte also durchschlafen. Prima. Und dann hab ich noch diesen einen uralten Wagon entdeckt mit Sitzen, die ausziehbar und zu einem Bette geformt werden konnten. Komfortabel schaukelte ich meinem Start entgegen.

Achja, die DB Lounge in Frankfurt stattete mich noch mit leckeren Brotpaketen für den kleinen Hunger unterwegs aus. Vielen Dank an dieser Stelle.

Die Regeln:
1a. Nur Stadt- und Regionalbusse dürfen benutzt werden.
1b. Keine Schienenfahrzeuge welcher Art auch immer. Kein Trampen, Keine Fernbusse.
1c. Wandern war natürlich erlaubt.
2. Bonuspunkte für Museumsbesuche und Stadtbesichtigungen.
Ausnahmen: Innerhalb einer Stadt waren Kurzstrecken auch mit Zügen etc. erlaubt um bei Bekannten, Freunden etc. zu übernachten. Die Fahrt müsste am nächsten Tag aber an der letzten Bushaltestelle fortgesetzt werden.

 

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